Automatismen, psychomotorische

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Keyword: Automatismen, psychomotorische

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Definition: Psychomotorische Automatismen sind Tätigkeiten wie Schreiben, Sprechen, Malen, Tanzen, Hand- und Fingerbewegungen, die von den betreffenden Personen als verselbstständigt und unabhängig von ihrem bewussten Wollen erlebt werden. Automatismen wurden insbesondere in spiritistischen Kreisen verwendet (Tischrücken, Gläserrücken, Pendeln, automatisches Schreiben und Sprechen etc.). Sie erzeugen bei ungeschulten Beobachtern den starken Eindruck, in Kontakt mit jenseitigen Wesenheiten, z. B. > Dämonen, > Geistern, Engeln getreten zu sein (vgl. Müller, 1980, S. 31f).

Information: Schon 1812 hatte M. Chevreul nachgewiesen, dass die geheimnisvollen automatischen Bewegungen durch unbemerkte, minimale Muskelbewegungen des Armes und der Hand zustande kommen. Er zeigte auch, dass keine Bewegung z. B. eines Pendels eintrat, wenn das Pendel an einem unbeweglichen Ständer aufgehängt wurde. Der englische Physiologe W. B. Carpenter formulierte dann das ideomotorische Gesetz (Carpenter-Effekt), nach dem emotional vorgestellte oder wahrgenommene Bewegungen eine Tendenz auslösen, sie körperlich nachzuvollziehen (z. B. Fußbewegungen beim Anschauen eines Fußballspieles).

Aber nicht nur bewusste Inhalte können sich in körperlichen Ausdrucksbewegungen darstellen, es sind auch unbewusste Inhalte, die auf diese Weise hervortreten. Grundbedingungen für das Hervorrufen der Automatismen sind eine tief gehende Entspannung und Passivität, sowie die Bereitschaft, allen feinen Impulsen nachzugeben, sich gehen zu lassen und, damit verbunden, eine kritiklose Offenheit. Darin liegen auch beträchtliche psychische Gefahren. Es sind Fälle bekannt, in denen sich durch das unkontrollierte, übertriebene und nicht verstandene Experimentieren mit diesen Techniken die angesprochenen Inhalte der Psyche so sehr verstärkten und verselbstständigten, dass sich die betreffenden Personen nur schwer von ihnen befreien konnten (> Besessenheit) oder sich stark mit ihnen identifizierten (> Identifikation > Inflation).

Psychische Störungen, die durch die unvorsichtige Beschäftigung mit okkulten Techniken entstanden sind, werden auch mediumistische Psychosen genannt. Diese Techniken lassen sich nach einer Bezeichnung J. Tischners (Tischner, 1922) als „Steigrohre des Unbewussten“ auffassen. Alle Objekte, Prozesse und Gestaltungen, die auf der Ebene des Fantasie-, Imaginations- und Traumbewusstseins in Erscheinung treten, können als bildhafter, symbolisierter, personifizierter Ausdruck unbewusster > Komplexe und verschiedener Teilaspekte der Persönlichkeit und ihrer > Autonomie verstanden werden.

Je unbewusster Komplexe sind und je höher ihre energetische Aufladung ist (was insbesondere meist bei > Schatten - und > Eros-Aspekten der Fall ist), desto mehr erscheinen sie dem Ich-Bewusstsein als fremd und autonom. In Fällen psychischer Störung, wie z. B. bei Phobien oder Zwangssymptomen, erlebt sie das Individuum zwar als unverständlich, aber doch noch zur eigenen Persönlichkeit gehörend. Sind sie noch stärker dissoziiert und abgespalten (> Spaltung, werden sie projiziert (> Projektion) und können den Charakter eines von außen kommenden, häufig bedrohlichen Wesens annehmen oder als Halluzinationen und Wahnvorstellungen erscheinen. Sie haben dann die Neigung, sich zu personifizieren, d. h. in menschlicher, dämonischer oder tierhafter Gestalt aufzutreten, was mit der bild- und symbolerzeugenden Wirkungsweise der Psyche zusammenhängt (> Personifikation).

Die psychomotorischen Automatismen lassen sich als die magischen Vorläufer (> Hermetik > Magie) verschiedener moderner psychotherapeutischen Methoden verstehen, in einen Dialog mit dem > Unbewussten und seinen Komplexen zu treten (vgl. auch > A-bis-H-System > Imagination, aktive). Auch wurden sie in der parapsychologischen Forschung mit Medien oder Sensitiven (> Parapsychologie) häufig eingesetzt. C. G. Jung hatte seine Erfahrungen und Ergebnisse aus langjährigen spiritistischen Sitzungen mit einer seiner Cousinen in seiner Dissertation (Jung, GW 1]] verarbeitet, in der sich bereits die Konzeption des Komplexbegriffes andeutete, der später dann im Rahmen seiner Studien zum > Assoziationsexperiment weiter differenziert wurde.

Diskussion: Keine

Literatur: Müller, L. (1980): Para, Psi und Pseudo; Müller, L. (1989): Magie.

Autor: L. Müller