Anthropos

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Keyword: Anthropos

Links: Alchemie > Einheitswirklichkeit > Ganzheit > SELBST > Unus mundus

Definition: Der Archetypus des Anthropos (griech.: Mensch) beinhaltet die Idee eines „großen Menschen“ (vir altus, vir maximus]] oder eines göttlichen Menschen (Christus, Buddha, Chidher, Elias, Nietzsches Übermensch]] und symbolisiert in der Analytischen Psychologie Ursprung und Ziel der seelischen Entwicklung des Menschen und der Menschheit.

Information: Der Archetyp des Anthropos ist keine Konstruktion des Bewusstseins, sondern entsteht spontan aus dem Unbewussten als Ziel der menschlichen Entwicklung (teleios anthropos]] oder als ursprüngliches Wesen des Menschen (Urmensch, Adam). Der Anthropos übersteigt die Dimension des empirischen Menschen, sowohl hinsichtlich der Größe (kosmischer Mensch), wie auch der Macht. Er teilt mit der Gottheit viele Eigenschaften und wird oft als Gottessohn bezeichnet, aus der Idee heraus, dass Gott eigentlich unerkennbar und unendlich ist. Der Gottessohn ist zwar wesensgleich mit dem Vater, aber, im Unterschied zu jenem, immer sterblich und unsterblich zugleich, menschlich und göttlich, erkennbar und unerkennbar, leidensfähig und über dem Leiden stehend, geistig und körperlich. Diese Antinomien weisen somit auf seine transzendente und gleichzeitig ganzheitliche Natur hin. Für ihn gilt die Mikro-Makrokosmos-Beziehung, das heißt eine Entsprechung von Mikro-(Mensch]] und Makrokosmos (Welt). Es gibt ganze Listen von Entsprechungen (> Alchemie > Taoismus), wie z.B. von Planeten, Metallen, Planetengöttern, psychischen Funktionen und Eigenschaften, Körperteilen etc. Sie bilden die Grundlage der > Astrologie, der > Hermetik und > Magie, vielleicht sogar auch der > Synchronizität.

Diskussion: Als „Anima mundi“ drückt sich die Weltseele als das Gefühl eines Allzusammenhanges aus, was in der Stoa als Sympatheia der Dinge, im Mittelalter als correspondentia, im Taoismus als Tao bezeichnet wurde. Diesem Gefühl liegt das Phänomen der > Synchronizität zugrunde, sinngemäß einer Koinzidenz eines äußeren physikalischen mit einem inneren psychischen Ereignis. Dahinter steht die Idee des > Unus mundus, bzw. der > Einheitswirklichkeit, bevor es zur Unterscheidung in > Psyche und > Materie kam. Mit dieser Unterscheidung sind die Orientierung auf ein Zentrum hin und die Sammlung des Zerstreuten in einem Zentrum verbunden (vgl. auch > Mandala). Daher ist der Anthropos in seiner sozialen Funktion ein gemeinschaftsstiftendes > Symbol.

Zuerst manifestiert sich dieses im König als politischem Faktor der ersten Hochkulturen. In ihm sind die höchste politische, religiöse, juristische und militärische Gewalt vereint. Als legendärer erster König ist er der Kulturbringer, der Urmensch und der erste Tote, der zum Herrscher der Unterwelt wird (iranisch Yima, indisch Yama, ägyptisch Horus, Osiris). Er wird in der Legende auch zum Typus des Alten Königs und ist damit auch der Archetypus des Helden (> Heldenmythos > Heros-Prinzip), der die Welt von gefährlichen Ungeheuern befreit. Viele Heroen der Vorzeit leben im Verborgenen, warten dort auf ihre Wiederkunft oder nehmen Einfluss auf das Leben der Lebenden. Einzelne ausgezeichnete Persönlichkeiten der Vergangenheit können von Zeit zu Zeit irdische Gestalt annehmen und Menschen in Bedrängnis zu Hilfe kommen, Überhebliche bestrafen oder als Erlöser erscheinen (der unsichtbare Imam, der umherwandernde verstorbene gute Zar). Es ist eine Figur, die in wechselnder Gestalt zu allen Zeiten und an allen Orten den Menschen erscheinen kann. Nicht zuletzt ist er der geheimnisvolle Begleiter (> Psychopompos) und Besucher oder der äußere und innere Führer (> SELBST).

Literatur: Franz, M. -L. v. (1996): Der Anthropos; Franz, M. -L. v. (1994): Der kosmische Mensch als Zielbild des Individuationsprozesses; Ribi, A. (2002): Anthropos, der ewige Mensch.

Autor: A. Ribi