Allgemeine Psychotherapie

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Keyword: Allgemeine Psychotherapie

Links: > Psychotherapie > Integrale Psychologie > Integrative Psychologie/Psychotherapie > Wirkfaktoren, psychotherapeutische

Definition: Die Allgemeine Psychotherapie wurde von K. Grawe und seinen Mitarbeitern aus der Zusammenschau vieler Therapiestudien gewonnen und stellt eine integrative Psychotherapie (> Psychotherapie, integrative dar.

Information: Grawe geht davon aus, dass der Mensch nach Konsistenz, d. h. nach Übereinstimmung bzw. Vereinbarkeit der gleichzeitig ablaufenden neuronalen und psychischen Prozesse strebt. In der Terminologie der AP würde man sagen, der Mensch strebe nach Übereinstimmung mit der sich selbst organisierenden Ganzheit seines SELBST und nach Integration und Vereinigung der verschiedenen Polaritäten in sich. Je stimmiger dieses Zusammenspiel, desto gesünder sei der Mensch. Grawe unterscheidet weiter vier evolutionäre Grundbedürfnisse: Orientierung und Kontrolle, Bindung, Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz, Lustgewinn und Unlustvermeidung. Er kommt dann zu fünf Wirkfaktoren, die er Therapieschulen übergreifend als notwendige Voraussetzungen für das Gelingen von Psychotherapie ansieht.


Die therapeutische Beziehung

Die Gestaltung der therapeutischen Beziehung soll transparent für den Patienten sein und komplementär zu dessen individuellen Bedürfnissen, Motiven, Zielen und ihm Autonomie und Entscheidungsfreiräume ermöglichen. Es soll sich eine positive, wertschätzende Beziehung gegenseitigen Vertrauens entwickeln können, in der der Therapeut immer auch auf bindungsaufbauende und selbstwerterhöhende Interventionen achtet. Dieser Wirkfaktor wird insbesondere in den analytischen, psychodynamischen und humanistischen Richtungen als grundlegend angesehen.


Ressourcenaktivierung

Eine wirksame Therapie unterstützt die positiven Möglichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten und Motivationen des Patienten. Dies erfordert, dass ein guter Teil der psychotherapeutischen Diagnostik wie auch der psychotherapeutischen Interventionen darauf abzielt, die konstruktiven und schöpferischen Potenziale des Patienten herauszufinden und zu fördern. Eine optimale Nutzung dieses Wirkfaktors verlangt auch, dass der Therapeut sich in seinen Interventionen ganz auf die Möglichkeiten und Eigenarten des Patienten einstellt. Die Ressourcenaktivierung spielt in der Analytischen Psychologie (> Analytische Psychologie schon immer eine zentrale Rolle, beispielsweise in den Konzepten der dialektischen Beziehung (> Beziehung, dialektische), der > Individuation, der schöpferischen > Selbstorganisation, dem finalen, prospektiven, teleologischen Gesichtspunkt (> Finalität), indem sie schon immer vom einzelnen Patienten und seiner individuellen Wahrheit und seinem individuellen Möglichkeiten ausgeht.


Problemaktualisierung

Was verändert werden soll, muss in der Therapie real erlebt werden. Die > Aktualisierung der zentralen Konflikt- und Komplexthemen findet in der > Analytischen Psychologie (> Analytische Psychologie in vielfältigen Formen statt: In der therapeutischen Übertragungs-Gegenübertragungssituation (> Übertragung > Gegenübertragung) ), in der > Imagination, in der Traumarbeit (> Traum) und den zahlreichen gestalterischen Methoden (z. B. > Malen > Sandspiel > Symbolarbeit) (vgl. auch (> A-bis-H-System). Wenig ausgeschöpft wurden bislang aber gruppentherapeutische Ansätze (> Gruppentherapie) in Hinblick auf soziale Konflikte oder übende Verfahren (> Verhaltenstherapie > Mentales Training > Heros-Prinzip und in Hinblick auf konkrete Lerndefizite oder umschriebene Angstsymptome.


Motivationale Klärung

Unter der Klärungsperspektive geht es darum, dass der Therapeut dem Patienten dabei hilft, sich über die Bedeutung seines Erlebens und Verhaltens in Hinblick auf seine bewussten und unbewussten Ziele klar zu werden. K. Grawe ist der Auffassung, dass „einsichtsorientierte“ und „übende“ Verfahren, „aufdeckende“ und „zudeckende“ Therapieformen nicht einander ausschließend gegenübergestellt, sondern miteinander verbunden werden sollten. Die Trennung dieser Aspekte liegt für ihn nicht in der Sache begründet, sondern sei eine Auswirkung der mangelhaften Reichweite der zugrunde liegenden therapeutischen Ursprungstheorien. Am wirksamsten ist für ihn Psychotherapie dann, wenn alle Wirkfaktoren in Abstimmung auf den jeweiligen Patienten und dessen Symptomatik in Betracht gezogen und systematisch genutzt werden können.

Die motivationale Klärung ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil der analytischen Therapieformen unter dem Stichwort: Deuten (> Deutung) mit dem Ziel, „Unbewusstes bewusst zu machen“, wobei sich dieses Unbewusste nicht vor allem auf die Kindheit und Vergangenheit richten muss, sondern auch auf aktuell gegebene Konflikte, Werte, Einstellungen und Beziehungsmuster, die dem Betreffenden in der Gegenwart nicht bewusst sind.

Aktive Hilfe zur Problembewältigung Dem Patienten wird aktiv dabei geholfen, die Zustände, Schwierigkeiten, Probleme, unter denen er leidet, besser zu bewältigen. Auch wenn es für manche Kritiker der analytischen Psychotherapieformen so aussehen mag, dass dieser Wirkfaktor die zentrale Domäne der > Verhaltenstherapie ist, so finden sich doch die wesentlichen Aspekte dieses Faktors auch in der > Psychoanalyse und der > Analytischen Psychologie. Natürlich geht es auch dort immer um eine bessere Bewältigung aktueller Lebenssituationen, allerdings mit der Unterstützung durch ein Verständnis bisher unbewusst ablaufender Motive und Widerstände, die eine bessere Konfliktlösung bisher verhindert haben und unter Einbezug schöpferischer Lösungsansätze aus dem Unbewussten (> Finalität).

Diskussion: Obwohl K. Grawe an manchen Stellen die > Analytische Psychologie wegen fehlender experimentell-wissenschaftlicher Untersuchungen kritisiert, zeigen diese vier Wirkfaktoren (> Quaternität) doch eine starke Nähe seines integrativen Modells zu den therapeutischen Ansätzen der > Analytischen Psychologie (> Analytische Psychologie und bestätigen sie.

Literatur: Grawe, K. (1994 a): Was sind die wirklich wirksamen Ingredienzen der Psychotherapie?; Grawe, K. (1998): Psychologische Therapie; Wagner, R. F., Becker, P. (1999): Allgemeine Psychotherapie.

Autor: L. Müller