Abwehr

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Keyword: Abwehr

Links: > Abwehrmechanismen > Affekt > Coping > Dissonanz, kognitive > Kompensation > Konflikt > Selbstregulation > Widerstand

Definition: Abwehr ist ein universelles biologisches, psychologisches und soziales Phänomen und hat die Funktion der Trennung und Anpassung unterschiedlicher Systeme und Subsysteme. Sie ist von daher primär nicht pathologisch, sondern lebensnotwendig. Für biologische Systeme ist zum Beispiel die Immunabwehr lebenswichtig, für Staatssysteme die polizeiliche und militärische Abwehr, für Computersysteme die Abwehr durch Anti-Viren-Programm und Firewalls.

Die > Psychoanalyse formulierte das Konzept der Abwehr aufgrund empirischer Beobachtungen für psychische Systeme. (Freud, S., GW 1, Freud, A., 1936)

Unter (psychischer) Abwehr versteht man jene intrapsychischen Regulationsvorgänge, die die Stabilität des psychischen Systems aufrechterhalten sollen. Sie richtet sich gegen Impulse, Reize und Informationen, die geeignet sind, das psychische Gleichgewicht zu stören. Damit sollen unlustvolle Affekte wie > Angst > Depression, Kränkungen, Scham- oder Schuldgefühle vermieden werden. Es lassen sich auch funktionale Zusammenhänge zwischen verschiedensten > Affekten und Abwehr vermuten. (vgl. König, 1996) Darüber hinaus dürften Abwehrprozesse immer dann einsetzen, wenn nicht zueinander passende Informationen die > Stabilität des psychischen Systems gefährden. (> Konflikt > Komplex)

Information: Die psychische Abwehr kann auch als ein Teil intrapsychischer Filtersysteme angesehen werden, die einer Reduktion der Informationsflut und einer sinnvollen Verteilung der verschiedenen Informationen auf verschiedene funktionelle Systeme dienen. Defizitäre Filterfunktionen können zu gleichzeitig existierenden widersprüchlichen Informationen führen (Konflikte, Ambivalenzen), oder eine Überschwemmung durch (kollektiv) unbewusste Inhalte zur Folge haben. Dies könnte auch eine Voraussetzung für die Entstehung schizophrener Erkrankungen sein. In der > Analytischen Psychologie sind die Grenzen bzw. Filtersysteme zwischen dem > [[Ich-Selbst-System, dem kollektiven und dem persönlichen Unbewussten (> Unbewusstes, persönliches > Unbewusstes, kollektives) von besonderer Bedeutung.

Abgewehrt werden sowohl inkompatible Informationen aus dem intrapsychischen Bereich (zum Beispiel Bedürfnisse, Affekte, Fantasien, Vorstellungen, Gedanken, Kognitionen > Dissonanz, kognitive), als auch Informationen aus der äußeren Realität.

Abgewehrt wird durch eine Veränderung der Wahrnehmung (z. B. > Verdrängung > Verleugnung > Dissoziation > Abspaltung > Projektion), oder durch eine Veränderung der Bewertung des Wahrgenommenen. (z. B. > Rationalisierung > Affektisolierung > Emotionalisierung).

Die Abwehr kann sowohl bewusst, als auch unbewusst reguliert werden. Psychische Abwehrvorgänge finden nicht nur (bewusst oder unbewusst) intrapsychisch statt, sondern auch interpersonell, z. B. als psychosoziale Abwehr (Mentzos, 1988) oder als Kollusion (Willi, 1975) und kollektiv, z. B. bei der Sündenbockpsychologie, bei dem die kollektive Schuld auf Einzelne oder Minderheiten geladen wird. (Perera, 1987)

Die Abwehr wird dann pathologisch, wenn eine dauerhafte einseitige Verwendung bestimmter Abwehrmechanismen zu einer dauerhaften Störung des Realitäts- und Selbstbezugs und der sozialen Beziehungen führt, oder wenn die Transformationen der innerpsychischen Spannungen auf die somatische Ebene zu somatischen Funktionsstörungen oder Schäden führen.

Diskussion: Keine

Literatur: Kächele, H., Steffens, W. (1988): Bewältigung und Abwehr; König, K. (1996): Abwehrmechanismen; Mentzos, S. (1984): Neurotische Konfliktverarbeitung; Perera, S. B. (1987): Der Sündenbock-Komplex.

Autor: B. Banholzer